Neues vom Acker KW23

Hallo liebe Leute,

 

Den Schnegel im Spinat (im Bild unten)  sehe ich als Hoffnungsboten. Nach einer schnellen Bildsuche, scheint er wohl ein "Getupfter Tigerchnegel" zu sein (www.schnegel.at). Der Schnegel frisst Schneckengelege und schreckt wohl auch nicht davor zurück Nacktschnecken anzugreifen. Außerdem spielt uns das Wetter in die Hände, sodass wir hoffen können, dass die Schneckenplage nun vorerst ein Ende hat.

Die Verluste sind allerdings herb. Haben wir ja die letzten Wochen immer wieder drüber berichtet. Es noch mal zu schreiben, ist wahrscheinlich mehr therapeutisch für mich, als dass es informativ für euch wäre :). Nach drei wirklich sehr guten Jahren mit bombastischen Erträgen, wird es dieses Jahr etwas lichter. Unsere eigenen Erwartungen sind durch die guten Ergebnisse der letzten Jahre hoch. Eure vielleicht auch. Ich sag mal: We're on a learning curve. Die Witterung und unser Umgang damit, unsere Anbauentscheidungen sind Gegenstand unserer Fehleranalyse.

 

Mein Wunsch ist, dass wir eine Vollversorgung mit Gemüse aus der Region hinkriegen. Da werden wir dies Jahr ein paar Abstriche machen müssen. Trotzdem wird es gutes, schönes, regionales, solidarisch erzeugtes Gemüse geben - und was das Sommergemüse, die Tomaten, Gurken, Paprika angeht, wird es sicherlich üppig.

Ich bin jedenfalls sehr froh, von einer solidarischen Gemeinschaft getragen zu werden - als Betrieb, der seine Erzeugnisse am Markt verkaufen muss, würden wir wohl in ökonomische Schieflage geraten. So kann ich mich weiter um das Gemüse und den gelingenden Anbau sorgen - ohne schlaflose Nächte wegen womöglich drohender Insolvenz.

 

Und was war sonst so?

Es wurden Tomaten ausgegeizt und gewickelt, Porree gepflanzt, Paprika angebunden, Mais, Rote Bete und Möhren gesät, im frühen Satz Möhren gejätet, erste Hackgänge draußen und weitere im Gewächshaus waren fällig, mit tatkräftiger Unterstützung wurde der Zaundraht gezogen, die Tomaten haben eine Mulchschicht bekommen, und es wurde auf dem Acker bewässert, bewässert, bewässert.

Nach der extrem langen Nassphase ist es nämlich nun extrem warm und trocken.

 

Der Boden des neuen Ackers ist dabei eine ziemliche Herausforderung: Typisch für die Marsch ist er schwer, er hat einen hohen Gehalt an Ton. So feinkörnige Böden haben auch hauptsächlich feine Poren, in denen das Wasser sehr fest kapillar gebunden ist. Er hat kaum mittlere Poren, in denen das Wasser pflanzenverfügbar gegen die Schwerkraft gebunden vorliegt, oder größere Poren, die drainieren und meist luftgefüllt sind. Tonpartikel sind außerdem plättchenförmig und kleben aneinander. Das alles bedeutet, dass unser Acker im nassen Zustand zu einem Pudding wird und im trockenen Zustand zu einem Ziegel. Dazwischen ist ein sehr, sehr enger Feuchtigkeitsbereich, in dem er krümelig und gut zu bearbeiten ist. Das kann sich zwischen einem Vor- und Nachmittag abspielen. Wir müssen noch lernen, wie wir damit gut umgehen können. Über die Jahre wird der Acker gewinnen.  Ein langjährig konventionell bewirtschafteter Acker, wie unserer, ist mit einem sehr geringen Humusgehalt geführt. Durch regelmäßigen Kleegras-Bestand, kurze Zwischensaaten, Untersaaten und organische Düngung wollen wir Humus aufbauen. Humus ist ein Zauber-Zeugs. Macht schwere Böden leichter und leichte Böden schwerer, in dem er sich um die Ton-Aggregate herumlegt, und verkleben verhindert - bzw. im Sandboden flockt er die losen Körner zusammen.

 

Ein Besuch auf unserem Eggers-Acker (die sehr grünen Bilder ganz unten), auf dem wir nun für mind. 2 jahre Klee-Gras stehen haben, um dem Boden Ruhe zu gönnen, und um neues Mulchmaterial zu gewinnen, macht froh: Die Saat ist gut aufgelaufen, auch die tiefwurzelnden Ackerbohnen und Sonnenblumen, die wir auf einem verdichteten Streifen gesät haben, in dem die Distel uns mit ihrer Anwesenheit auf ebendiese Verdichtung freundlich hinweisen möchte.

 

So, ich hoffe, ihr seid alle bei der Mitgliederversammlung am 20.6. um 11:00 dabei - und habt auch die Umfrage ausgefüllt: Ohne ausreichende Beteiligung können wir die Mitgliederversammlung nicht durchführen. Wir wissen, noch ein virtuelles Meeting ist nicht der beliebteste Zeitvertreib momentan. Aber wir haben einen Verein, und haben da ein paar Pflichten zu erfüllen.

Eine Handvoll engagierter Mitglieder hat sie für uns alle auf die Beine gestellt, und so kurz, informativ, fluffig, smooth gestaltet, dass es ein Vergnügen sein wird, die Vorstände zu entlasten :).

 

Schöne Grüße von

Inga

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Kommentare: 2
  • #1

    Birte (Donnerstag, 10 Juni 2021 20:02)

    Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht, liebe Inga! Und für die wunderschönen Bilder :-)

  • #2

    Britta (Freitag, 11 Juni 2021 21:08)

    Nachdem ich heute im Depot die lange Liste an grünen Köstlichkeiten gesehen habe, fällt es mir schwer vorzustellen, dass dieses Jahr weniger Ernte zu erwarten ist. Und wie unglaublich ist es eigentlich, dass wir Mitte Juni noch super leckere Möhren und rote Beete aus dem Winterlager bekommen? Aber klar, dass Zucchini und Kürbisse fehlen merken wir erst später im Jahr.
    Allerdings ist das doch wirklich einer der Grundgedanken der Solawi, so wie es auch auf dem Hinweisschild bei Hof Eggers steht. Es wäre ja fast ein bisschen scheinheilig, wenn wir regelmäßig auf die Solidarität mit den ErzeugerInnen hinweisen und dann aber doch die Welt untergeht, weil es bestimmte Sorten mal 1 Jahr nicht gibt. Ihr Gärtners macht Euch so viele Gedanke um die Erwartungen der Mitglieder, dabei weiß jeder, der ein bisschen am Geschehen teilnimmt, dass ihr euch extrem reinhängt. Mir zumindest geht es ums Gesamtpaket der Solawi, das ist super, also macht Euch nicht so viele Sorgen!