Neues vom Acker KW 42

Wieder viel geschafft diese Woche - das sage ich am Mittwoch Abend, da in unserer Wochenstruktur der Donnerstag immer komplett mit Arbeiten belegt ist, die mit der wöchentlichen Verteilung zu tun haben: Ernten, Waschen, Aufteilen. Am Freitag wird, wie ihr wißt, abgeholt, und wir versuchen Liegengebliebenes abzuschließen. Insofern können wir am Mittwoch Abend schon ganz gut über die Woche resümieren.

So wurden die restlichen Paprikapflanzen aus den Gewächshäusern getilgt,  das darunter liegende Mulchmaterial aus dem Gewächshaus gleich auf den frisch gesteckten Knoblauch im Freiland ausgebracht, die Wege tiefengelockert, gleich im Anschluss Feldsalat gesät, diverse Maßnahmen im ständigen Kampf mit dem immer noch vitalen (aber zum Glück langsamer wachsenden) Beikraut getroffen: Mit dem "Flammenwerfer" im Feldsalat und unserem Präzisionshackschar + Fingerhacke im Asiasalat. Auch draußen wurden die Beete neu belegt, und dort wo das nicht mehr geschieht, haben wir Wicke-Roggen-Mischung als  Gründüngung gesät, damit der Boden im Winter bedeckt ist, die Nährstoffe in der regenreichen Jahreszeit in den Pflanzen gehalten und nicht ausgewaschen werden.

...und eine Sauerkrautcrew hat für alle Mitglieder Sauerkraut gemacht - aber davon erzählen sie selbst.

 

Mit der derzeit größten Baustelle, der Herbsternte des Lagergemüses, geht es auch schrittweise voran: Herbstrübchen (manche kennen sie vielleicht als Navett-Rübchen) sind eingeholt, mit unserem Überraschungsbesuch (danke an Phillip, Dorothea, Thorsten, Birte!) haben wir heute die Steckrüben geerntet.

 

So die Erfolgsstatistik - bei den Möhren schaut's leider etwas anders aus. Am Samstag sind bei der Aktion ca. 20% der Fläche abgeerntet worden, Montag haben wir noch mal ca. 5% geschafft. Das heißt, es müsste noch ca. 3-4 weitere Aktionen von der Schlagkraft letzter Woche geben - oder eine Aktion mit wesentlich größerer Anzahl helfender Hände.

 

Um euch ein wenig Hintergrund dazu zu geben, warum wir immer wieder in Sommer und Herbst mit steigender Dringlichkeit zum Möhrenjäten und Möhrenernten aufrufen:

Wir bauen derzeit hauptsächlich auf manuelle Arbeit und Körperkraftbetriebene Maschinen (siehe Fußnote 1), das geht für die meisten Kulturen meistens gut. Bei den Möhren geht es aus zwei Gründen nicht ohne eure Hilfe:

Erstens, sie sind mega arbeitsintensiv - Im Frühjahr keimen sie notorisch langsam, langsamer als alles Beikraut. Man muss sie zweimal händisch komplett jäten, davon wird im ersten Durchgang zusätzlich vereinzelt. Im Herbst holen wir sie aus der Erde. Jede Möhre wird einzeln angefasst, das Laub wird abgedreht, kurz die Erde abgewischt, eine Entscheidung getroffen, ob sie gut oder nicht so gut ist.

Zweitens, wir bauen mega viel davon an - Die Möhre ist ein Gemüse, mit dem so gut wie jede/r von euch immer etwas anfangen kann. Da wir keine Kartoffeln anbieten, wollen wir ein Gemüse haben, das uns durch den Winter bringt, und dem ihr hoffentlich nicht überdrüssig werdet (so wie vielleicht mancherlei Kohl).

 

Was tun wir, damit die Möhren-Arbeit nicht ausartet?

- Wir flammen die Fläche ab, um vor dem Keimen der Möhre das erste keimende Beikraut zu ...killen.

- Wir setzen immer mehr, und ab nächstem Jahr komplett, auf eine eher gedrungene Möhrensorte, die sich ohne vorheriges Lockern ziehen lässt.

- Zudem haben wir die Anbaufläche im Vergleich zum letzten Jahr um 1/4 reduziert.

Und trotzdem - es bleibt viel Arbeit.

 

Zur Möhrenernte am Samstag sind leider nur 10 Leute da gewesen. Wir sind 210 Haushalte in der SoLawi. Dabei denke ich, die Wochenendaktionen wären ja DIE Gelegenheit, eure SoLawi mal hautnah zu erleben, andere Mitglieder zu treffen, ins Quatschen zu kommen, die Freude bei der Ernte zu teilen - zumal das Sommerfest dies Jahr Corona-bedingt ausgefallen ist.

Da ich mich fragte, ob es vielleicht Kommunikationsproblem unsererseits ist, habe ich diesen langen Sermon verfasst. Jede/r hat ein volles Leben und wichtige Gründe, etwas anderes als Möhrenernte zu betreiben. Nach meinem ganzen Gesabbel sind die Möhren vielleicht trotzdem etwas mehr in euer Blickfeld gerückt und kristallisieren sich als potentielles Betätigungsfeld heraus.

 

Also, immer wenn ihr das Wort "Möhre" hört (Frühsommer/Herbst), wäre es großartig, wenn dies bei euch eine Reflexhandlung auslöst: Den Griff zum Kalender - wann kann ich meine Arbeitskraft anbieten?

 

Lieben Gruß von

Inga

 

(1) Unser derzeitiges Anbausystem basiert sehr stark auf dem Einsatz manueller Arbeit. Das hat zum einen mit der Vielfältigkeit der Kulturen, die wir für euch anbauen zu tun (die Kulturen maschinisiert anzubauen bedürfte einer feinen Abstimmung der Maschinen auf die ganzen unterschiedlichen Erfordernisse), und mit unseren Prozessen der Betriebsentwicklung (mit der Anschaffung teurer Maschinen einen Weg einzuschlagen bedeutet sich festzulegen, was wir wenn, dann gern so gut informiert wie möglich und mit ein paar Erfahrungen auf dem Buckel tun wollen), und auch mit der generellen Frage, ob und zu welchem Grad wir eine Maschinisierung wollen (Hat ja Einfluss auf unsere Arbeitsstruktur, und nicht zuletzt auf unseren Boden, über den dann eben der eine oder andere Reifen mehr fährt und ihn verdichtet)

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Kommentare: 3
  • #1

    Gabriele Wolff (Donnerstag, 15 Oktober 2020 23:45)

    Hi Inga,
    Du schreibst immer von Möhren, Möhren und noch mehr Mehren - wir aber essen nur noch Mangold, mehr Mangold und noch viel mehr Mangold! ; )
    Wann geht es denn am kommenden Sonnabend mit der Möhrenernte los .... oder wird es doch nur wieder Mangold?

    LIebe Grüße
    Gabriele Wolff

  • #2

    Charlotte (Freitag, 16 Oktober 2020 09:51)

    Moin Gabriele (mal so von Solawista zu Solawista),
    bei den Möhren handelt es sich um Lager Gemüse. Wir werden sie nach und nach über den Winter bis hin ins Frühjahr zugeteilt bekommen. Wenn Mangold und Co. eben nicht mehr wachsen. Und damit dies möglich ist, ist es jetzt sehr sehr wichtig, dass die tolle Ernte schnell eingefahren werden kann, bevor die Qualität leidet. Und dafür werden ganz viele Hände gebraucht, das steckt hinter Ingas „Möhren Weckruf“
    Momentan bekommen wir das, was der Acker aktuell an nicht lagerfähigen Gemüsen hergibt. Und das ist doch eine reiche Vielfalt, wie ich finde! Das auf Mangold Mangold Mangold zu verkürzen, finde ich unseren GärtnerInnen gegenüber nicht fair, die sich wirklich alle Mühe geben, den wöchentlichen Ernteanteil bunt und vielfältig zu halten.
    Lieben Gruß Charlotte

  • #3

    Birte Reuver (Samstag, 17 Oktober 2020 20:28)

    Liebe Inga!
    Danke für deinen ausführlichen Text zu den geliebten Möhren. Ich hoffe, dass viele auch diese Zeilen lesen!
    Auf dem Acker hab ich gelernt wieviel Liebe bzw. Handarbeit tatsächlich in jede einzelne Möhre gesteckt wird, wenn sie ohne Pestizide und Dünger und all den Kram wachsen darf. Seitdem sehe ich diese tollen Wurzeln mit ganz anderen Augen.
    Leider hab ich am 24.10. keine Zeit, aber ich werde Mittwoch gegen 11 nochmal mit zupacken.

    Liebe Grüße, Birte