Neues vom Acker KW 24

Derzeit passiert so wahnsinnig viel auf dem Acker und in der Gärtnerei, dass mir das Aufzählen etwas schwer fällt, zumal ich nach dem gestrigen und heutigen Tag kaum noch geradeaus gucken kann...

Also, da waren gewesen:

 

Auf Hof Eggers haben wir weiteres Wintergemüse für euch gepflanzt: Wirsing, Steckrübe, Lagerkohlrabi, außerdem Mais gesät - bevor das geschehen kann muss gedüngt und gefräst, und im Falle der Saatkulturen vor und nach dem säen gewalzt werden, handgezogen. Nach dem Pflanzen zerren wir Kulturschutznetze über die Flächen und legen sie fest, damit hase und co nicht gleich alles wieder abräumen, bzw. der Kohlweißling die Kinderstube bestückt.

 

Außerdem wollen und wollten gepflegt werden: Die Knollensellerie, der Weißkohl, die Möhren, die Rote Bete, was bedeutet, dass wir erst hacken, und zwar mit der handgeführten Radhacke, oder ggfs mit der "Babyfräse", falls wir den Zeitpunkt verpasst haben, da das Beikraut noch klein genug war. Im zweiten Gang wird gejätet, da heißt es auf die Knie und viele Hände schaffen viel. Die "Neue Normalität" hat wohl unser aller Alltag erfasst, und wir können nicht mehr von der Corona-Sonder-Situation profitieren - jedenfalls  vermute ich, dass es daran liegt, dass es uns in den letzten Wochen etwas an Zulauf aus euren Reihen mangelt.

Falls ihr euch etwas im neuen Alltag zurechtgeruckelt habt und bei einem Blick in eure Kalender einen Termin für Mithilfe bei uns findet - wir wären sehr froh drum!

 

Weiters, haben wir wie wild die Gras-Mahd von unserer an die Gärtnerei angrenzenden Fläche (Wolfgang hat sie uns gemäht und "auf Schwad" gelegt, sprich zusammengekehrt :)) in die Gewächshäuser als Mulch unter Tomaten, Auberginen, Gurken gebracht - die Paprika warten noch.

Nebenbei müssen wir noch weiter planen, was wir bis zum Ende des Winters nicht geschafft haben: Die Planung für die Flächen, die wir jetzt schon abgeerntet haben - was kommt dort hin? Gründüngung oder eine Folgekultur? Die Bestellung der nächsten Jungpflanzen, die wir zweiwöchentlich geliefert bekommen, und mit denen wir ca 6 Wochen im Voraus sein wollen. Anschaffung von und Recherche zu Dingen, die uns das Arbeiten leichter von der Hand gehen lassen, wie eine weitere Radhacke, weitere Regner,...

Wie ihr an euren Ernteanteilen merkt, wird derzeit die Vielfalt und dadurch auch die Menge größer - was für uns mehr Zeit fürs Ernten und Aufteilen bedeutet. Und mir macht auch total viel Freude, so aus dem Vollen zu schöpfen.

 

Wie man oben sieht, ist das Kleegras wunderbar fett aufgewachsen. Allerdings sind wir etwas spät mit der Mahd. Das Gras hat Halme geschoben und ist damit ärmer an Stickstoff und reicher an Kohlenstoff, was es zu einem schlechteren Dünger und zu einem besseren Humusaufbaumaterial macht. Und wir holen uns damit, wie ich fürchte, jede Menge Grassaat in die Gewächshäuser. Hilft nix - Tomaten und co. müssen gemulcht werden. Um Nährstoffe zu liefern, den Boden zu beschatten und damit Feuchtigkeit drin zu halten, das Bodenleben zu füttern und das Beikraut zu unterdrücken. Die Überlegungen zur Kleegras-Mahd stellen wir gerade zum ersten Mal an, sind alle drei keine Grünland-ExpertInnen, und müssen optimieren: Wann mäht man am besten nicht - aus einer Naturschutzperspektive? Wie viel sollte man dafür stehen lassen? Wie verhält sich das hohe, stehengelassene Gras, wenn es sich nach dem nächsten Regen niederlegt, später bei der Bodenbearbeitung? ...auf der Fläche soll schließlich im Frühjahr 2021 unser Gemüse hin, dafür muss die Grasnarbe kaputt sein. Wie viel Mahd brauchen wir für die versuchsweise mit Mulch abzudeckenden Kohlflächen? Bis wann ist wieder etwas aufgewachsen, und mit wie viel Mahd können wir für einen zweiten Schnitt rechnen? Sich erst mal klar zu machen, welche Fragen wir haben, und dann erfahrene "Grünlandleute" zu finden, die einem dazu was sagen können, kostet auch Kapazitäten.

Naja, wo ich mich endlich mal wieder kompetent fühlte, war in meiner Eigenschaft als Bodenkundlerin, als ich mir einen Spatenstich in ebendiesem Kleegrasacker ansah (Siehe Foto oben): Krümelgefüge mit Lebendverbau in den oberen 5-7 cm zeugt von biologischer Aktivität. Die fleckenhaft gelblich-braun und schwarz-braune Bodenfarbe weist darauf hin, dass wenig eingearbeitete Organik zu einer gewissen Humusakkumulation geführt hat, aber es noch kaum Durchmischung mit der Matrix gibt. Eher ein Zeichen von geringer Regenwurmaktivität. Ab 7 cm abwärts ein scharfkantiges Prismengefüge, so bricht lehmiger Boden wenn er rein physikalisch, nicht biologisch zerkleinert ist - einfach durch Einwirkung von Temperaturveränderungen und Trocknung/Wiederbefeuchtung. Wir müssen also noch einiges tun, um unseren neuen Acker zu beleben. Die zwei Jahre Klee-Gras-Gemisch waren ein erster Schritt.

So, dann freue ich mich, wenn ihr am Samstag zahlreich zum Jäten auf Hof Eggers kommt - und wie gesagt, gerne auch unter der Woche, falls es eure Zeit zulässt.

Außerdem hoffe ich, dass die Postkarten an unsere Landwirtschaftsministerin in den Depots gefunden und bei übereinstimmender Meinung an sie abgeschickt habt!

Schöne Grüße von

inga

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Kommentare: 4
  • #1

    Günter Miehlich (Donnerstag, 11 Juni 2020 14:50)

    Liebe Inga
    Ihr macht einen tollen Job. Als Coronagreis kann ich euch nicht auf dem Acker unterstützen Und genieße das Gemüse, vielen Dank und Gruß
    Günter

  • #2

    Sigrid Heckt (Freitag, 12 Juni 2020 21:50)

    Hallo liebe Gärtner/innen,
    jetzt ist der Kühlschrank wieder gut gefüllt und die Versorgung für nächste Woche gesichert. In unserer Küche riecht es wie in einem Bonbonladen - das Fenchelkraut!
    Der Blumenkohl sieht in diesem Jahr super aus, wir sind überrascht, wie habt ihr das hinbekommen. Alles andere natürlich auch �
    Vielen Dank, wir freuen uns.
    L.G von Gerd und Sigrid � �

  • #3

    Charlotte (Freitag, 12 Juni 2020 22:03)

    Liebe GärtnerInnen,

    sooooviel Grünes, wie schön! Wenn ich meinen kühlen Keller nicht hätte, wäre ich aufgeschmissen.

    Immer im Frühjahr möchte ich eine Kuh sein und auf einer Weide voller Vielfalt mir den Bauch mit Grün vollschlagen, mich dann hinbetten und rülps ... von einem Magen zum anderen ... na Ihr wisst schon.
    Das mit der Kuh hat nicht gekplappt - aber das mit dem Grün!!! Soooo lecker!

    Leider kann ich gesundheitlich momentan nicht mithelfen. Ich hoffe, ganz viele andere packen mit an!

    Herzlich
    Charlotte

  • #4

    Birte (Montag, 15 Juni 2020 10:27)

    Oh man, ich hoffe Samstag waren einige Helfer zugegen! Ich kann Dienstag und Mittwoch endlich mal wieder mit anpacken! Melde mich.

    Liebe Grüße, Birte