Neues vom Acker KW 21

Liebe Solawistas,

 

eine weitere arbeitsreiche Woche nähert sich ihrem Ende.

Ich kann das schon am Mittwochabend schreiben, denn die Tage, an denen sich unsere Aufgaben immer neu verteilen und an denen wir den Löwenanteil der Pflanz-, Sä- und Pflegearbeiten erledigen, sind Montag, Dienstag und Mittwoch. Die Donnerstage und Freitage hingegen sind im Prinzip immer gleich und vorhersehbar: Wir ernten und packen das Gemüse für euch am Donnerstag, da ist dann nicht viel Zeit für anderes. Am Freitag erledigen wir eine Vielzahl „kleinerer“ Aufgaben in der Gärtnerei, die wir an den Tagen vorher nicht geschafft haben, und geben das Gemüse an euch raus.

 

Diese Woche haben wir in der Gärtnerei Paprika und Gurken gepflanzt, und auf dem Eggers-Acker Rotkohl und Rosenkohl. Außerdem haben wir den ersten Satz Mais gesät, Rote Bete und Buschbohnen, die ersten Kürbisse und einen Teil der Möhren. Bis auf die Buschbohnen sind das sehr große Sätze, die 200 bis gut 400 m² belegen. Geerntet werden die Köhler, Kürbisse, Rote Bete und Möhren dann erst im Herbst, und ein großer Teil davon wandert weiter ins Lager und reicht dann über den Winter. Die Rote Bete und Möhren, die ihr jetzt noch ab und zu bekommt, sind noch die vom letzten Jahr!

Bis auf die Kürbisse säen wir alles mit unserer „Sembdner“ - einem Gerät, das wir höchstpersönlich über den Acker schieben und das Samenkörner aus einem Saatgutreservoir über ein Lochband mit verschiedenen Größen in eine Furche im Boden fallen lässt und gleich wieder mit Erde bedeckt. Wenn die Saat dann ein, zwei Wochen später gekeimt ist, stellt man fest, dass die Beikräuter auf dem Acker sehr viel schneller gekeimt sind, und dann heißt es jäten, jäten, jäten. Eine sehr meditative Aufgabe, die sich echt lohnt (denn sonst gäbe es keine Möhren und Rote Bete ...), und bei der wir uns SEHR über Mithilfe freuen.

Im Gemüsebau steckt einfach richtig viel Handarbeit! Die meisten Betriebe, die herkömmlich, also nicht als Solawi oder ähnliches, wirtschaften, stellen unter anderem für diese Zwecke Saisonarbeiter*innen ein. Oft kennen sich Saisonkräfte und Gärtner*innen/Landwirt*innen seit Jahren und arbeiten gut zusammen. Aber manchmal sind auch im Gemüsebau die Bedingungen, unter denen die Saisonkräfte wohnen und arbeiten, genau die gleichen wie in den Schlachthöfen, über die jetzt gerade in den Medien so viel berichtet wird. Besonders schlimm sind die Umstände in industriellen Gemüseanbaugebieten in Südeuropa, wo viele Migranten ohne Papiere nach Arbeit suchen. Paprika, Tomaten, Gurken, Zucchini – sehr vieles von dem Gemüse, das wir hier übers Jahr im Supermarkt finden, ist günstig zu haben, weil den Preis andere bezahlen: Menschen ohne Arbeitsverträge, in einer Art Straßenstrich tageweise angeheuert, in selbstgebauten Hütten neben den Gewächshäusern hausend, ohne Schutzkleidung Pestizide versprühend und zu Dumpinglöhnen beschäftigt, sorgen dafür, dass es hier Gemüse zu Pfennigbeträgen zu kaufen gibt.

Ein Thema, das mich stark beschäftigt, weil ich es so schlimm finde, dass es solche Zustände überhaupt gibt – und dann auch noch in so reichen Ländern wie in Europa. Zum Glück gibt es die Solawi: ein Weg hinaus aus diesem Dilemma und hin zu einer faireren, solidarischeren und gerechteren Welt.

Wie schön, dass ihr (und wir :-)) dabei seid (sind)!

 

Habt noch eine gute Restwoche!

Kristina

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Ingeborg (Donnerstag, 21 Mai 2020 13:14)

    Hallo Kristina
    .........und Ihr Alle, die Ihr so fleißig und überzeugt für unser gesundes Gemüse sorgen! Alles, was Du in Deinem Beitrag geschrieben hast, habe ich mit eigenen Augen mehrfach gesehen. Besonders um Almeria/Andalusien herum sieht man nur „Gewächshäuser,“dicht an dicht. Eine riesige Fläche in „Leichtbauweise“, provisorische Stangen mit weißen Plastikplanen darüber. Wenn sie von Sturm oder Starkregen zerfetzt werden, bleiben alles so, wie es ist und einfach neue Überdachungen hergestellt.
    Und die „Saisonarbeiter“ , meistens aus dem nahen Marokko, leben und arbeiten genauso, wie oben beschrieben. Es ist traurig und eine Schande - weil die Menschen in den sog. zivilisierten Ländern weltweit das alles gedankenlos unterstützt haben - bisher. Vielleicht findet nun ein Umdenken statt??